Hast du dich schon mal dabei erwischt, wie du nach einem Wettkampf 50 Glückwünsche bekommst, aber den ganzen Abend nur über den einen Kommentar nachdenkst, dass deine Lauftechnik „unsauber“ aussah? Oder du ignorierst 90% deiner starken Trainingseinheiten und verlierst den Fokus, weil eine einzige Pace nicht gepasst hat?
Willkommen beim Negativity Bias.
Was ist das? Wissenschaftlich belegt (u.a. durch die bekannte Studie von Baumeister et al.) gilt das Prinzip: „Bad is stronger than good“. Negative Erlebnisse, Kritik oder Selbstzweifel hinterlassen tiefere und länger anhaltende Spuren in unserem Gehirn als positive Rückmeldungen.
Die Gefahr der „Strava-Falle“ Besonders auf Strava lauert hier eine Gefahr: Der ständige Vergleich mit den Bestzeiten und Umfängen anderer. Wenn wir sehen, dass jemand schneller oder weiter war, neigt unser Gehirn durch den Negativity Bias dazu, die eigene solide Leistung sofort abzuwerten. Diese Vergleiche sind oft toxisch, weil sie den Fokus von deinem individuellen Fortschritt abziehen und dich in eine Spirale aus „nicht gut genug“ ziehen. Denk dran: Dein Training folgt deinem Plan, nicht dem Feed der anderen.
Warum das für dich als Athlet wichtig ist: Für uns Ausdauersportler im Laufen, Triathlon oder OCR bedeutet das: Ein „Ich bin nicht schnell genug“ brennt sich oft fester ein als das Wissen über die harten Intervalle, die wir erfolgreich absolviert haben. Diese „mentale Wolke“ kann deine Regeneration stören, die Motivation killen und dich im Wettkampf wertvolle Sekunden kosten.
Mein Tipp für dein nächstes Training:
- Bewusstsein: Erkenne die negative Wolke, wenn sie aufzieht. Das ist nur dein Gehirn, das biologisch auf „Gefahr“ programmiert ist.
- Gegensteuern: Erinnere dich aktiv an drei Dinge, die heute gut gelaufen sind.
- Fokus: Dein Körper folgt deinen Standards – und dein Mindset ist das Betriebssystem dafür.
Lass dich nicht von einem schlechten Tag, einem fiesen Kommentar oder einem schnelleren Strava-Feed aus dem Rhythmus bringen.
Wir sehen uns am Gipfel!